7 Visualisierungsideen gegen Textfolien mit Aufzählungspunkten

Vektorgrafik Vortragsredner ©leremy – shutterstock.com (bearbeitet)

Die Listenfunktion in PowerPoint ist etwas Wunderbares: Sie erlaubt Vortragenden, ihr Redemanuskript an die Wand zu werfen, ohne sich dabei schlecht fühlen zu müssen. Schließlich enthalten die Folien keinen Fließtext, sondern folgen dem Stakkato von Aufzählungspunkten. Übersehen oder gar verdrängt wird dabei, dass die Präsentation eigentlich dazu da ist, wesentliche Inhalte des Vortrags mittels Visualisierung hervorzuheben und in den Köpfen zu verankern. Auf Text verzichten müssen Sie deshalb nicht. Es geht vielmehr darum, Präsentationsfolien anschaulich zu gestalten und nicht als Teleprompter zu missbrauchen. Wie das im Fall von Textfolien mit Aufzählungspunkten praktisch aussehen kann, zeige ich Ihnen in diesem Beitrag.

Sind reine Textfolien immer schlecht?

Nein, sind sie nicht. Ich möchte sie auch nicht um jeden Preis aus Ihrer Präsentation verbannen. Gerade im Recht lassen sich Textfolien häufig nicht vermeiden. Vielleicht ist es sogar auch mal sinnvoll, die Inhalte allein in Textform darzustellen. Solange es um einzelne Folien geht und Sie sich bemüht haben, den Text kurz zu halten, ist nichts dagegen zu sagen. Problematisch ist aber, dass sich sehr viele Juristinnen und Juristen (und natürlich auch andere Vortragende und Dozierende) auf ihren Textfolien ausruhen und gar nicht erst über Visualisierungen nachdenken. Für ihr Publikum bedeutet das dann, 30, 50 oder noch mehr Textfolien in einem Vortrag aushalten zu müssen. Seien Sie ehrlich: Möchten Sie den Vortrag hören, der zu den folgenden Folien gehört? Na also!

Präsentationsbeispiel mit zu vielen überladenen Textfolien
So bitte nicht: Zu viele überladende Textfolien

Die wichtigsten Argumente gegen Textfolien

  • Je mehr Text Sie auf die Folien bringen, desto eher werden Sie als Vortragende(r) dazu neigen, Ihre Folien vorzulesen. Das kann für Ihr Publikum ziemlich langweilig und anstrengend werden.
  • Sie vermitteln den Eindruck, dass alles Wichtige auf den Folien steht und Ihr mündlicher Vortrag nur schmückendes Beiwerk ist.
  • Sie halten Ihr Publikum davon ab, Ihnen zuzuhören, denn es muss Ihre Textfolien lesen, wobei Ihr Vortrag eher stört.
  • Sie demonstrieren Ihren Zuhörern sehr eindrucksvoll, dass Sie den Unterschied zwischen einer Präsentation und einem Handout nicht kennen oder ihn ignorieren, um weniger Arbeit bei der Vorbereitung zu haben.

Sie würden ja gern weniger Text präsentieren und stattdessen mehr visualisieren, wissen aber nicht, wie Sie aus Ihren Listenpunkten Bilder herauszaubern sollen? Dann schauen Sie sich mal die folgenden Beispiele an. Bestimmt enthalten Ihre Präsentationen Textfolien, die Sie in ähnlicher Form visualisieren können.

1. Finden Sie ein Bild für die gesamte Liste

Manche Listen lassen sich in ihrer Gesamtheit in ein Bild übertragen. Der Vorteil einer solchen Visualisierung ist, dass sie sich sehr gut einprägt. In meinem Beispiel werden die Zuhörer vielleicht nicht alle Grundfreiheiten behalten. Sie werden sich aber daran erinnern, dass die Grundfreiheiten in Gestalt der blauen Schilder den Weg zum Binnenmarkt frei machen. Wie Sie sehen, beinhaltet die rechte Folie fast genauso viel Text wie die linke. Durch die Visualisierung wirkt sie aber interessanter und lebendiger.

2. Setzen Sie die Listenpunkte in Beziehung zueinander

Häufig beinhalten Listen auf PowerPoint-Folien nicht einfach nur eine lockere Aneinanderreihung von Begriffen oder Inhalten. Stattdessen nehmen die einzelnen Listenpunkte Bezug aufeinander, lassen Strukturen erkennen oder beschreiben diese sogar. In meinem Beispiel beinhaltet die Liste Phasen, welche während einer Verhandlung aufeinander folgen. Es bot sich deshalb an, sie auf einem Zeitstrahl anzuordnen, der hier aus Platzgründen geschwungen ist.

3. Widmen Sie wichtigen Listenpunkten eine ganze Folie

Sehr beliebt ist es, in einer Liste alles zu sammeln, was man zu einem Thema sagen will, am besten in ganzen Sätzen. Wenn Sie sich dabei ertappen, kopieren Sie die Liste schnell in den Notizenbereich der Folie und erinnern Sie sich daran, dass Sie weder ein Vortragsmanuskript noch ein Handout erstellen wollen. Es geht um Präsentationsfolien, die Ihren Vortrag visuell (!) begleiten sollen. Fragen Sie sich deshalb: Welcher Punkt in der Liste ist der wichtigste zum Thema? An was soll sich das Publikum später erinnern? Diesen wichtigsten Punkt greifen Sie sich heraus und widmen ihm eine ganze Folie. Auf dieser Folie kombinieren Sie den (ggf. gekürzten) Text des Listenpunktes mit einem Bild, das die Aussage des Textes stützt. Wenn andere Listenpunkte ebenfalls wichtig sind, verfahren Sie mit ihnen in der gleichen Weise.

Sie müssen keine Sorge haben, dass Ihre Präsentation bei dem beschriebenen Vorgehen zu umfangreich wird. Die Folienzahl nimmt zwar deutlich zu, da die Folien selbst durch die Visualisierung jedoch an Leichtigkeit gewinnen, wird Ihr Publikum dies nicht als störend empfinden. Im Gegenteil: Es wird Ihrem Vortrag besser folgen können, als wenn Sie ihm nur eine einzige Textfolie zeigen.

Im Beispiel habe ich nur den ersten Listenpunkt visualisiert, weil er am wichtigsten ist. Bei den anderen beiden Punkten genügt es aus meiner Sicht, wenn sie im Vortrag erwähnt werden und/oder in Textform später in einem Handout nachzulesen sind.

4. Verwandeln Sie die Listenpunkte z. B. in Haftnotizen oder Schilder

Ist Ihre Liste das Ergebnis eines Brainstormings, kommt es weder auf die Reihenfolge der einzelnen Punkte an noch auf die Listenform. Sie können die Punkte deshalb auch in anderer, lockerer Form „auf die Folie werfen“ und so den Eindruck der spontanen Themen- oder Begriffssammlung verstärken. Ideal sind dafür Haftnotizen, die Sie in Bilddatenbanken finden und selbst beschriften können. Aber auch andere Visualisierungsformen sind denkbar, z. B. verschiedene Schilder oder Zettel mit Pinnnadeln.

5. Kombinieren Sie die Listenpunkte mit Icons

Diese Form der Visualisierung empfiehlt sich, wenn Sie alle Listenpunkte auf einer Folie und in einer bestimmten Reihenfolge präsentieren wollen. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie zu allen Listenpunkten passendes Bildmaterial finden, was manchmal gar nicht so leicht ist. Die Kombination aus Text und Bild erleichtert dem Betrachter die Aufnahme der Inhalte und lädt eher zum Hingucken ein als eine allein aus Text bestehende Liste.

Bei wenigen Listenpunkten mit wenig Text können Sie die einzelnen Punkte von oben nach unten oder – wie in meinem Beispiel – von links nach rechts anordnen.  Bei umfangreicheren Listen mit relativ viel Text bleibt meist nur die Anordnung von oben nach unten. Setzen Sie dann den Text jedes Aufzählungspunktes in einen gesonderten Kasten und platzieren Sie das Icon vor dem Text.

6. Wählen Sie besondere Aufzählungszeichen

Wird es schwierig mit passendem Bildmaterial, haben Sie nicht die Zeit, sich einer aufwändigeren Visualisierung Ihrer Liste zu widmen, oder spricht der Inhalt der Liste dafür, diese allein in Textform zu präsentieren, können Sie überlegen, ob Sie zumindest die Aufzählungszeichen stärker betonen wollen. Zählen Sie Voraussetzungen auf, können Sie den Inhalt z. B. dadurch stützen, dass Sie die Aufzählungspunkte durch Häkchen ersetzen:

7. Kombinieren Sie die gesamte Liste mit einem Bild

Mein letzter Vorschlag belässt die Liste so, wie sie ist. Daneben setzen Sie ein Bild, welches zum Thema der Liste passt. Im Vergleich meiner Beispielfolien sehen Sie, dass selbst diese ganz einfache Form der Visualisierung der Liste guttut. Der Vorteil ist: Sie müssen nicht zu jedem Aufzählungspunkt ein Bild finden. Umfangreichere Listen bitte auf zwei Folien verteilen.

Noch ein Tipp zum Schluss: Wenn Sie die einzelne Punkte Ihrer Liste näher erläutern, sollten Sie sie nacheinander einblenden, also animieren. Ihr Publikum ist sonst durch den projizierten Text abgelenkt und hört Ihnen nicht mehr zu. Außerdem liest das Publikum den Folientext schneller, als Sie reden, und ist Ihnen damit inhaltlich voraus.


Nicola Pridik
Über die Autorin
Nicola Pridik ist Juristin und Inhaberin des Büros für klare Rechtskommunikation in Berlin. Mit ihren Dienstleistungen unterstützt sie ihre Kundinnen und Kunden dabei, Rechtsinformationen verständlich und anschaulich für ihre jeweiligen Zielgruppen aufzubereiten. Dabei steht die Visualisierung von Recht im Mittelpunkt. kontakt@npridik.de, Twitter: @nicolapridik, Xing: www.xing.com/profile/Nicola_Pridik


 

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