30 Rechtsbegriffe in einfachen Bildern

Im Oktober habe ich beim #LegalDesignInktober auf Twitter mitgemacht. Dazu eingeladen hatte das Legal-Design-Unternehmen Visual Contracts in den Niederlanden. Jeden Tag gab es einen rechtlichen Begriff vor, den wir visualisieren und auf Twitter oder Instagram teilen sollten. Das Ziel war und ist, Menschen zu motivieren, rechtliche Inhalte zu zeichnen, sich gegenseitig zu inspirieren und zu einem besseren und verständlicheren Recht beizutragen. In diesem Beitrag fasse ich meine Visualisierungsideen aus dem Zeichenprojekt zusammen und berichte von den Herausforderungen, die es zu meistern galt.

Was ist ein #Inktober?

In den sozialen Netzwerken wird im Oktober unter diesem oder ähnlichen Hashtags zu ganz unterschiedlichen Themen und Begriffen fleißig gezeichnet. Das Prinzip ist immer gleich: Jeden Tag gibt der oder die jeweilige Initiator:in einen neuen Begriff oder eine kleine Aufgabe vor, die visualisiert werden soll, und alle, die wollen, teilen ihre Ergebnisse dann unter dem jeweiligen Hashtag miteinander. Das Schöne ist: Jede:r kann beim Inktober mitmachen und sich ausprobieren, man braucht keine Vorkenntnisse und auch kein Zeichentalent. Es geht allein darum, Ideen zu entwickeln, diese mit anderen zu teilen und Spaß zu haben. Hinzu kommt die persönliche Herausforderung, sich auf neue Themen und Aufgaben einzulassen. Und ein wenig Mut zum öffentlichen Teilen braucht man natürlich auch, weil die eigenen „Werke“ natürlich nie so toll aussehen wie die der anderen und die anderen auch stets die besseren Ideen haben.

Der Aufruf zum Legal-Design-Inktober von Visual Contracts auf LinkedIn

Die Begriffe

Die Begriffe wurden in Englisch ohne jeden Kontext vorgegeben. Dabei stellte sich häufig das Problem, dass es im Deutschen zwei oder sogar mehr Bedeutungen gab, die ohne Weiteres in einen rechtlichen Zusammenhang passten. Erschwerend kam hinzu, dass meine Englischkenntnisse äußerst bescheiden sind und ich nicht im Ansatz eine Ahnung davon habe, wie die Begriffe üblicherweise verwendet werden. Ich habe mich dann einfach für die Bedeutung entschieden, die mir am wahrscheinlichsten erschien. Welche das jeweils war, können Sie der Beschriftung der Bilder in der Galerie entnehmen. Hier alle visualisierten deutschen Begriffe im Überblick:

1 Recht | 2 Justiz/Gerechtigkeit | 3 Vertrag | 4 Konflikt | 5 Verhandlung | 6 Treu und Glauben | 7 Richter:in | 8 Prozess | 9 Gerichtsvollzieher | 10 Gericht(shof) | 11 Vereinbarung | 12 Strafe | 13 Parteien | 14 Vertraulichkeit | 15 Haftung | 16 Kündigung | 17 Resolution | 18 Verhältnismäßigkeit | 19 Datenschutz | 20 Wettbewerb | 21 Geheimhaltung | 22 Vertragsverlängerung | 23 Geschäftsbedingungen | 24 Urteil |25  (Streit-)Beilegung | 26 Fairness | 27 Gegenseitige Verpflichtung | 28 Zuständigkeit | 29 Garantie | 30 Lieferung

Die Bilder

Wenn Sie mit der Maus über die Bilder fahren, sehen Sie einen kurzen Text, in dem ich darauf eingehe, was der Begriff bedeutet und/oder was mich bei seiner Visualisierung beschäftigt hat. Die Bilder sind nicht (!) anklickbar.

In der Galerie befinden sich auch Bilder, die mir nicht (mehr) gefallen, weil mir im Nachhinein aufgefallen ist, dass ich etwas nicht bedacht habe, oder weil ich den Eindruck habe, dass sie den Kern des Begriffs noch nicht richtig treffen. Ich zeige hier trotzdem alle Motive, denn bei dem Zeichenprojekt ging es nicht um Perfektion, sondern um die inhaltliche Auseinandersetzung und den Prozess des visuellen Denkens. Wahrscheinlich werden Sie bei der Durchsicht der Bilder auch nur bei den Motiven hängenbleiben, die Fragen aufwerfen und die Sie vielleicht ganz anders dargestellt hätten. So gern ich Ihnen schöne Zeichnungen zeige – es kommt mir auch auf diesen Gedankenanstoß an.

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Mein Fazit

Viel Spaß hat ’s gemacht, auch wenn es an manchen Tagen ziemlich kniffelig war, ein treffendes Bild zu finden. Zudem bin ich einmal mehr darin bestätigt worden, dass das Visualisieren rechtlicher Begriffe erheblich zu deren Verständnis beiträgt. Oft war es so, dass ich zwar eine Vorstellung von der Bedeutung eines Begriffs hatte, ihn aber nicht aus dem Stand hätte definieren können. Beim Visualisieren fällt das sofort auf, denn um eine Bildidee zu entwickeln, muss man wissen, was einen Begriff im Kern ausmacht und was ihn von Begriffen unterscheidet, die eine ähnliche Bedeutung haben. Ich habe also die fraglichen Definitionen recherchiert, um daran anknüpfend passende Bilder zu finden und diese sodann zu zeichnen. Nun sind viele Bilder aufgrund der intensiven Auseinandersetzung drin in meinem Kopf und fallen mir sofort ein, wenn ich den Begriff höre oder lese. Bei anderen denke ich immer noch darüber nach, wie ein passenderes Bild aussehen könnte. In jedem Fall lernt man ein Menge. Insbesondere für die juristische Lehre und das Lernen im Studium kann ich die Visualisierung von Begriffen nur empfehlen!

Wer es ausprobieren will und nach einem Konzept für den Einstieg sucht: Sie könnten sich eine Bildkartei anlegen, so wie ich es in meinem Beitrag Zeichnen üben mit Bild-Karteikarten vorgeschlagen habe. Hier steht dann allerdings die Auseinandersetzung mit den Begriffen und die Entwicklung von Bildideen im Vordergrund und weniger die Zeichenübung. Diese können Sie aber hinten dran hängen. Dann haben Sie nicht nur ein Bild im Kopf, wenn Sie einen Begriff hören oder erklären sollen, sondern können es auch mit wenigen Strichen zu Papier bringen.

Nachtrag: Das initiierende Unternehmen Visual Contracts hat inzwischen auch einen Beitrag zum Legal Design Inktober veröffentlicht, in dem die Zeichnungen aller Teilnehmer:innen gezeigt werden. Lesenswert!


Nicola Pridik
Über die Autorin
Nicola Pridik ist Juristin und Inhaberin des Büros für klare Rechtskommunikation in Berlin. Mit ihren Dienstleistungen unterstützt sie ihre Kundinnen und Kunden dabei, Rechtsinformationen verständlich und anschaulich für ihre jeweiligen Zielgruppen aufzubereiten. Dabei steht die Visualisierung von Recht im Mittelpunkt. kontakt@npridik.de, Twitter: @nicolapridik, LinkedIn: www.linkedin.com/in/npridik, Xing: www.xing.com/profile/Nicola_Pridik


 

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