Impulse aus der Praxis der Rechtsvisualisierung für die Rechtsdidaktik

Drei stilisierte Köpfe mit Baumdiagramm, optischer Linse und Text mit Lupe

Seit mehr als 16 Jahren visualisiere ich als Juristin Recht. Lange Zeit dachte ich, dass es sich um eine eher untypische juristische Tätigkeit handelt, die nur Exotinnen wie mich begeistern kann. Heute bin ich überzeugt, dass sie für alle (angehenden) Jurist(inn)en geradezu ideale Möglichkeiten bietet, Recht zu verstehen, strukturiertes Denken und Schreiben zu lernen und berufliche Kompetenzen zu erwerben, die in der heutigen Zeit gefragt sind. Welche Erkenntnisse mich im Einzelnen zu dieser Überzeugung geführt haben, möchte ich nachfolgend darlegen und daraus jeweils Impulse für die Rechtsdidaktik ableiten. Dabei beschränke ich mich an dieser Stelle auf drei von insgesamt fünf Erkenntnissen und Impulsen. Der vollständige Beitrag ist in etwas veränderter Form im Jahrbuch der Rechtsdidaktik 2018/19 (Berliner Wissenschafts-Verlag) erschienen.

Visualisierbare rechtliche Inhalte und Schaubildtypen

Ausgewählte Schaubildtypen im Recht

Im letzten Beitrag ging es darum, wie juristische Schaubilder zum Verständnis von Rechtsinformationen beitragen. Danach liegt ihre Stärke darin, dass sie wichtige Informationen im Überblick präsentieren und den Adressat(inn)en eine gewisse Grundorientierung im Thema bieten. Vor allem aber machen sie rechtliche Strukturen sichtbar, über die sich im Recht die Inhalte häufig erst erschließen. Offen blieb im Beitrag allerdings, was mit rechtlichen Strukturen konkret gemeint ist. Was sind das für Inhalte, die sich in Schau- bzw. Strukturbilder verwandeln lassen? Und welche Schaubildtypen eignen sich für welche Inhalte? Diese Fragen beantwortet der folgende Beitrag.

Wie Rechtsvisualisierung das Recht verständlicher macht

Der Bedarf an verständlichen Rechtsinformationen ist groß. Das gilt vor allem für Publikationen, Vorträge, Seminare und Beratungsangebote, die sich an juristische Laien richten. Jurist(inn)en sind hier in besonderem Maße gefordert, ihr Fachwissen nicht nur zielgruppengerecht aufzubereiten und in klare Worte zu fassen, sondern auch Strukturen und Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln. Neben gut strukturierten Ausführungen hilft dabei allem die Visualisierung der Inhalte.

Juristische Vorträge mit Präsentation, aber ohne Textfolien – so gelingt‘s

Redner zeigt während seines Vortrags auf eine Textfolie

Juristische Inhalte in Vorträgen und Seminaren zu vermitteln, gehört für viele Jurist(inn)en zum Berufsalltag. Begleitend wird meist auch eine PowerPoint-Präsentation gezeigt. Diese bietet allerdings nur selten etwas fürs Auge. Stattdessen ist es üblich, Folien mit viel Text aneinanderzureihen. Erfreulich ist das höchstens für Interessierte, die nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnten: Sie dürfen darauf hoffen, dass die Präsentation später zum Download bereitgestellt wird und sie dann alles Wesentliche auf den Folien nachlesen können. Das anwesende Publikum hat dagegen das Nachsehen, denn es ist anstrengend und ermüdend, Textfolien zu lesen und gleichzeitig einem Vortrag zu folgen. Es gibt also gute Gründe, es besser zu machen. Dabei hilft ein einfacher Trick.

Rechtsvorschriften als Sketchnote: „Brückenteilzeit“, § 9a TzBfG

Sketchnote zur Brückenteilzeit

Bisher konnten Arbeitnehmer(innen) nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) zwar ohne Nachweis eines besonderen Grundes ihre Arbeitszeit reduzieren, sie hatten aber keinen Anspruch darauf, später zu ihrer ursprünglich vereinbarten Arbeitszeit zurückzukehren. Das ändert sich mit Einführung des § 9a TzBfG zum 1. Januar 2019. Danach ist es unter bestimmten Voraussetzungen auch möglich, ohne besonderen Grund nur vorübergehend in Teilzeit zu arbeiten. Ich habe mir die Vorschrift und den zugrunde liegenden Gesetzentwurf mal genauer angesehen und mich zu einer Sketchnote inspirieren lassen, die die wichtigsten Informationen zur Brückenteilzeit enthält.

Visualisierung rechtlicher Inhalte in Leichte-Sprache-Texten

Anfang Oktober ist bei Frank & Timme das „Handbuch Barrierefreie Kommunikation“ erschienen. Mit 41 Beiträgen aus Wissenschaft und Praxis stellt es den aktuellen Forschungs- bzw. Erkenntnisstand in der Verständlichkeitsforschung und den verschiedenen Bereichen der barrierefreien Kommunikation dar. Auch das Thema Rechtskommunikation kommt dabei zur Sprache. Ich bin mit einem Beitrag zur Visualisierung rechtlicher Inhalte in Leichte-Sprache-Texten vertreten. Nachfolgend möchte ich den Leser(inne)n des Buches die Schaubilder aus meinem Beitrag in farbiger Fassung zeigen und außerdem ein paar Hintergrundinformationen ergänzen. Alle anderen erfahren anhand der Beispiele, wie es aktuell um meine Idee steht, mithilfe der Rechtsvisualisierung Verständnisbarrieren im Recht so weit abzubauen, dass auch Leichte-Sprache-Leser(innen) davon profitieren.