Rechtsvisualisierung in der juristischen Ausbildung: 6 Beispiele

Viel Lehrstoff in wenig Zeit vermitteln: Wie soll das gehen? Das fragen sich Lehrkräfte in der Jurist:innenausbildung schon lange. Die Studierenden wiederum leiden unter dem Druck, den gesamten Stoff aus vier Studienjahren im Examen parat haben zu müssen. Eine einfache Lösung für das Problem gibt es sicher nicht. Fest steht jedoch: Didaktische Reduktion ist nötig und mit ihr eine Konzentration auf rechtliche Strukturen und Zusammenhänge. Dabei hilft die Visualisierung von Recht, auch wenn sie für Jurist:innen ungewohnt ist. Doch wie lässt sie sich in den  juristischen Lehr- und Lernprozess integrieren? Das zeige ich Ihnen in diesem Beitrag anhand von sechs Beispielen.

Beleben Sie juristische Textwüsten durch Schaubilder

„Kommunikation ist wertvoll“ – so lautet das Motto eines Buchprojektes namens Frida, an dem ich gerade teilnehmen durfte und das mich zu diesem Blogbeitrag veranlasst. Ja, auch Rechtskommunikation ist wertvoll, zumindest wenn sie es schafft, die Menschen zu erreichen. Textwüsten sind dafür eher nicht geeignet. Doch gibt es im Recht überhaupt eine Alternative? Viele Jurist(inn)en bezweifeln das. Ich nicht. Wir können in der Wüste nämlich visuelle Oasen schaffen. Dabei geht es nicht nur darum, den Leser(inne)n eine erfrischende Abwechslung fürs Auge zu bieten. Ihr Nutzen geht weit darüber hinaus.

So profitieren Sie in Ihren rechtlichen Beratungen von Schaubildern

Gleichgültig, ob Sie als Rechtsanwalt oder Notarin Mandanten beraten, in einer Beratungsstelle mit rechtlichen Fragen Ihrer Klienten konfrontiert sind oder als Juristin die Interessen eines Verbandes oder Unternehmens vertreten: Sie kommen immer wieder in Situationen, in denen Sie juristischen Laien Fachbegriffe und Zusammenhänge erklären, über Rechtsfolgen informieren, rechtliche Probleme benennen und Lösungen aufzeigen müssen. Das kann schnell zur Herausforderung werden, wenn Ihre Zeit knapp bemessen ist und Ihre Ausführungen trotzdem nachvollziehbar sein sollen. Einfacher wird es, wenn Sie sich die Vorteile von Schaubildern zunutze machen. Ihr Gegenüber wird Sie nicht nur besser und schneller verstehen, Sie werden auch merken, dass anschauliche Informationsvermittlung Spaß macht und neuen Schwung in Ihre Beratungen bringt.

Juristische Schaubilder für Leichte-Sprache-Texte: ein erster Versuch

Rechtsvorschriften sind abstrakt und Juristen- und Behördendeutsch häufig schwer zu verstehen. Bei der Aufbereitung von Rechtsinformationen für juristische Laien ist deshalb die anschauliche Vermittlung der Inhalte besonders wichtig. Das gilt auch und vor allem für Informationstexte in Leichter Sprache. Zum einen stößt die sprachliche Vermittlung der Inhalte hier schnell an Grenzen, zum anderen richten sich die Texte an Menschen, die sich mit dem Lesen schwertun. Es liegt deshalb nahe, Rechtsinformationen in Leichter Sprache durch Schaubilder zu ergänzen. Die Frage ist: Wie können und müssen derartige Schaubilder aussehen, damit die Zielgruppen sie verstehen? Ein erster Versuch.

Recht anschaulich: Verfahrensabläufe

Welche Schritte folgen in einem Bußgeldverfahren aufeinander? Wie läuft ein Strafverfahren ab? Wie entsteht eine für alle verbindliche Regelung? Und wie funktioniert das Zusammenspiel von Behörden untereinander? Verfahrensabläufe spielen in juristischen Zusammenhängen immer wieder eine Rolle. Sie zu verstehen kann z. B. wichtig sein, um als Akteur in einer Rechtsangelegenheit die Orientierung und Kontrolle zu behalten, das Handeln anderer Beteiligter einzuschätzen und einen geeigneten Zeitpunkt für eigene Aktivitäten abzupassen. Für die Vermittlung von Verfahrensabläufen sind Schaubilder besonders geeignet. Mit ihnen lassen sich lineare Abfolgen und komplexere Zusammenhänge visualisieren, Verfahrensstrukturen sichtbar machen und zentrale Aspekte des Verfahrens hervorheben. Vier Beispiele sollen das veranschaulichen.