Buchrezension: Die Sketchnote-Starthilfe – Neue Bilderwelten von Tanja Wehr

Es ist gerade mal 15 Monate her, seit die blaue „Sketchnote-Starthilfe“ von Tanja Wehr erschienen ist (mehr dazu im Beitrag Sketchnote-Bücher im Vergleich). Nun gibt es eine Fortsetzung des Buches in grün mit 25 neuen Bilderwelten. Den Schwerpunkt bilden wieder zahlreiche Strich-für-Strich-Zeichenanleitungen für Gegenstände des täglichen Lebens und weitere Motive, die sich als Icons und Metaphern in Visualisierungen einsetzen lassen. 

Tanja Wehr ist Visualisierungstrainerin, Graphic Recorderin und Sketchnoterin. Auf ihrer Website www.sketchnotelovers.de finden Sie weitere Informationen über sie und ihr Angebot.

Um was geht es inhaltlich?

Das Buch enthält 25 Bilderwelten (Themenbereiche) mit insgesamt 300 Bildvokabeln. Zu allen Bildern gibt es eine zweifarbige Zeichenanleitung. Auf den ersten Blick scheint der Nutzen für die Leser(innen) allein darin zu bestehen, dass sie einzelne Motive aus den Bilderwelten nachzeichnen können, z. B. Gegenstände aus der Küche, aus dem Bereich Finanzen und Büro, dem Verkehr oder der Technik. Tatsächlich geht es jedoch um sehr viel mehr, denn Tanja Wehr vermittelt außerdem, mit welcher übertragenen Bedeutung die Gegenstände in Visualisierungen eingesetzt werden können. So wird schnell klar, warum das Wort Bilderwelten treffend gewählt ist: Als Leser(in) betritt man mit jedem Themenbereich eine Welt voller Metaphern, für die es in der Praxis ganz unterschiedliche Einsatzorte gibt.

Bildvokabeln mit Zeichenanleitungen aus dem Buch von Tanja Wehr

Die Bilderwelten: Baustelle, Café, Feiertage, Finanzen und Büro, Garten, Geschichte, Kleidung und Gesicht, Krimi, Küche, Kunst, Länder, Landschaften, Möbel, Musik, Neue Arbeit, Pflanzen, Rezepte, Schule, Spielzeug, Technik, Tiere, Urlaub, Veranstaltung, Verkehr, Vintage

Ergänzt werden die Bilderwelten durch kurze Ausführungen zum Zeichnen von Menschen, Mimik und Hilfsmitteln (Linien, Aufzählungszeichen, Pfeile, Eckbefestigungen, Rahmen und Banner) und zu Farbe und Schatten. Außerdem gibt es ein Kapitel zur Entwicklung der eigenen Bildsprache und einige Ideen fürs weitere Üben.

Für wen ist das Buch geeignet?

Es eignet sich für alle, die bereits erste Erfahrungen mit Visualisierungen (insbesondere Sketchnotes) gesammelt haben und nun nach neuen Bildideen suchen und/oder üben möchten, im Sketchnote-Stil zu zeichnen. Verwenden lassen sich die Bilder sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Kontext.

Was zeichnet das Buch aus?

  • Tanja Wehr versteht es in besonderer Weise, Gegenstände auf ihre wesentlichen Merkmale zu reduzieren und anderen Menschen den Aufbau ihrer Zeichnungen zu vermitteln.
  • Zudem transportiert sie mit ihrem Zeichenstil sehr authentisch die Botschaft, dass Zeichnungen auch dann toll aussehen und eigenen Charme haben können, wenn sie nicht perfekt sind.
  • Man lernt nicht nur, die von ihr vorgegebenen Bilder zu reproduzieren, sondern trainiert zugleich, visuell zu denken und Bilder aus einfachen Formen zusammenzusetzen.
  • Das Buch motiviert ungemein, den Stift in die Hand zu nehmen und loszuzeichnen.
  • Durch die Übersicht aller nach Bilderwelten sortierten Zeichnungen am Anfang des Buches und den Index am Schluss eignet es sich auch als Nachschlagewerk.

Nach Bilderwelten sortierte Übersichten aus dem Buch von Tanja Wehr

Welche Kritikpunkte gibt es?

Der einzige echte Kritikpunkt, den ich anbringen kann, ist der aus meiner Sicht mit zu viel Symbolik überladene Index. Gut finde ich, dass die Objekte, zu denen es eine Zeichenanleitung gibt, zusätzlich als Bild gezeigt werden. Darüber hinaus gibt es jedoch noch drei weitere Symbole, welche die Bedeutungen der Objekte kenntlich machen sollen. Dabei wird nach Metapher, Aktivität und Eigenschaft unterschieden. Außerdem gibt es ein eigenes Symbol für Indexeinträge, die sich nicht auf Symbole oder Metaphern beziehen. Ich denke, dass diese vier Kategorien-Symbole im Index nicht zur Orientierung beitragen, sondern eher verwirren.

Index aus dem Buch von Tanja Wehr

Ich will mich mit dieser Kritik aber auch nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen. Zum einen werden alle verwendeten Symbole an zwei Stellen im Buch erklärt. Zudem weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, Bildvokabeln sinnvoll zu ordnen und für den Nutzer gut handhabbar und auffindbar zu machen. Wahrscheinlich gibt es hier keine wirklich ideale Lösung.

Und noch eine Notiz am Rande: Ich finde, dass das erste Kapitel zu Hilfsmitteln, Menschen und Mimik nicht so richtig in das Buch hineinpasst, in dem es ja zentral um die Bilderwelten geht, zumal die Inhalte auch schon im ersten Band thematisiert wurden. Gleiches gilt für das Kapitel zu Farben und Schatten. Es wirkt auf mich etwas unentschlossen: Sollte es nun ein Buch zum Thema Sketchnotes werden im Sinne eines Rundumschlags oder „nur“ eine Bildvokabel-Sammlung? Die Bilderwelten hätten jedenfalls aus meiner Sicht völlig ausgereicht.

Unterm Strich

Ein tolles Buch und wunderbare Inspirationsquelle für alle, die lernen wollen, visuell zu denken, nach Bildideen suchen und/oder Lust haben, sich im Anfertigen einfacher Zeichnungen zu üben. Die 25 Bilderwelten bieten visuelle Ideen sowohl für den privaten als auch den geschäftlichen Bereich.

Weitere Infos

Das Buch ist im Frühjahr 2018 im mitp-Verlag erschienen, hat 272 Seiten und kostet 24,99 Euro (E-Book: 21,99 Euro). Auf der Verlagsseite stehen das Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe zum Download zur Verfügung.


Nicola Pridik
Über die Autorin
Nicola Pridik ist Juristin und Inhaberin des Büros für klare Rechtskommunikation in Berlin. Mit ihren Dienstleistungen unterstützt sie ihre Kundinnen und Kunden dabei, Rechtsinformationen verständlich und anschaulich für ihre jeweiligen Zielgruppen aufzubereiten. Dabei steht die Visualisierung von Recht im Mittelpunkt. kontakt@npridik.de, Twitter: @nicolapridik, Xing: www.xing.com/profile/Nicola_Pridik


 

Hände zeichnen Schritt für Schritt

Menschen zeichnen in Sketchnotes und am Flipchart

Zeichnen üben mit Bild-Karteikarten

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