PowerPoint-Präsentation ja, aber bitte keine Animationen

Kunden, die mich mit der Erstellung einer PowerPoint-Präsentation beauftragen, lassen mir meist hinsichtlich der Gestaltung freie Hand. Nur ein Wunsch wird immer wieder geäußert: „Bitte keine Animationen!“ Das hat einen guten Grund, denn viele verbinden mit Animationen hereinfliegende Buchstaben und blinkende Objekte. Das muss tatsächlich nicht sein – schon gar nicht in juristischen Vorträgen und Lehrveranstaltungen. Animationen sind jedoch nicht beschränkt auf derartige Effekte. In erster Linie ermöglichen sie den schrittweisen Aufbau der einzelnen Folie und das ist durchaus sinnvoll, denn die Projektion lässt sich so optimal auf den Vortrag abstimmen.

Animation gestern und heute

Erinnern Sie sich noch an den Einsatz von Overhead-Projektoren in Lehrveranstaltungen zu einer Zeit, in der es PowerPoint schon gab, aber die Seminarräume noch nicht mit Beamer ausgestattet waren? Da druckte die engagierte Lehrkraft ihre PowerPoint-Folien noch auf echten Folien aus. In der Lehrveranstaltung jonglierte sie dann zuweilen mit mehreren Blättern herum, um auf dem Overhead-Projektor Teile der Folie zunächst ab- und später nach und nach aufzudecken … Schließlich sollten keine Inhalte vorweggenommen werden. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dieses Vorgehen aus methodisch-didaktischen Gründen abzulehnen, schließlich sollen die Lernenden immer nur das an der Wand sehen, worüber der Vortragende gerade spricht. Bei den Animationen in PowerPoint sieht man dies offensichtlich anders. Dabei haben sie dasselbe Ziel, nämlich Inhalte passend zum Vortrag einzublenden. Die Handhabung ist nur deutlich leichter geworden. Dennoch heißt es, die Bedenkenträger ernst zu nehmen. Ihre Skepsis ist nämlich in aller Regel nicht aus der Luft gegriffen, sondern beruht auf schlechten Erfahrungen.

Keine Spielereien und keine Effekthascherei

Leider gibt eine Menge Leute, die hemmungslos von Animationseffekten Gebrauch machen, die in einer seriösen Präsentation nichts zu suchen haben. Wenn Sie Animationen einsetzen, überlegen Sie sich also zweimal, warum sie das tun – und seien Sie dabei ehrlich zu sich selbst:

  • Sind Sie lediglich fasziniert von diesem oder jenem Effekt? Dann spielen Sie ein bisschen damit herum, führen Sie den Effekt auch gern Ihren Kollegen, Freunden und Bekannten vor – aber löschen Sie ihn am Ende bitte aus Ihrer Präsentation. Es ist garantiert für alle Beteiligten die beste Entscheidung.
  • Haben Sie es darauf abgesehen, Ihre Zuhörer mit technischen Effekten zu beeindrucken? Sie können sicher sein: Wenn Sie Ihre Zuhörer mit irgendetwas NICHT beeindrucken können, dann sind es Animationseffekte. Feilen Sie lieber an Ihrem Vortrag und Ihren Folien. Ihr Publikum steht nämlich auf überzeugende Inhalte und eine gute Visualisierung derselben.

Inhalte schrittweise einblenden

Sehr sinnvoll sind Animationen dagegen, wenn Sie dazu dienen, die Folieninhalte schrittweise zu entwickeln und auf den Vortrag abzustimmen. Früher konnten Lernende sehen, wie nach und nach vor ihren Augen ein Tafelbild entstand. Heute sind es digitale Bilder. Die Animation hilft Ihnen, den Fokus der Zuhörer stets auf das zu lenken, worüber Sie gerade sprechen. Zudem gelingt es Ihnen so besser, die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten. Zeigen Sie sofort den gesamten Folieninhalt, nehmen Sie womöglich Teile des Vortrags oder sogar eine Pointe vorweg. Blenden Sie die Folie in ihrer vollen Schönheit erst dann ein, wenn Sie zu dem Thema alles gesagt haben, berauben Sie die Präsentation ihrer Funktion, den Vortrag durch visuelle Eindrücke zu begleiten.

Wie der schrittweise Aufbau von Folien aussehen kann, sehen Sie nachfolgend an einigen zusammengewürfelten Beispielen aus einer Vorlesungspräsentation zum Strafrecht für Jurastudierende. Während Ihres Vortrags lösen Sie die einzelnen Animationsschritte durch einen Mausklick selbst aus. Sie bestimmen also, in welchem Tempo die Animationsschritte aufeinander folgen. Was Sie dagegen vorher einrichten müssen, ist die Art und Reihenfolge der Animation. In den Beispielen sehen Sie die Animationsarten, die ich persönlich bevorzuge. Wie sie heißen, steht unten links im gelben Kasten. Die Reihenfolge des Folienaufbaus ergibt sich häufig von selbst, manchmal müssen Sie sich aber auch genau überlegen, wie Sie bestimmte Dinge erklären wollen, weil dies Einfluss auf die Reihenfolge hat.

 

Abschließend noch ein paar Hinweise, auf was Sie bei der Animation achten sollten:

Tipps für die Animation

  • Beschränken Sie sich in Ihrer gesamten Präsentation möglichst auf eine Animationsart.
  • Weichen Sie von dieser Animationsart nur ab, wenn der Folieninhalt dies rechtfertigt, Sie also z. B. einen bestimmten Punkt besonders hervorheben wollen und ein optischer Effekt geeignet ist, Ihnen dabei zu helfen. Dies sollte jedoch die absolute Ausnahme sein.
  • Können Sie bei der von Ihnen gewählten Animationsart eine Richtung einstellen, muss diese zum Inhalt passen. Beinhaltet der animierte Folieninhalt also z. B. einen Pfeil, der von links nach rechts weist, muss die Animation ebenfalls in diese Richtung erfolgen.
  • Fassen Sie die Folieninhalte in Sinneinheiten zusammen, die Sie nach und nach einblenden. Grob kann man sagen: Pro Gedankenschritt eine Animation. Folglich macht es keinen Sinn, einzelne Pfeile oder Wörter zu animieren. Denken Sie in größeren Einheiten.
  • Der Folientitel wird nicht animiert. Sie würden sonst beim Folienwechsel eine leere Folie aufrufen, was keinen Sinn macht.
  • Auch sonst müssen Sie nicht den gesamten Folieninhalt animieren. Manchmal ist es durchaus sinnvoll, wenn beim Aufrufen der Folie bereits Inhalte zu sehen sind.
  • Machen Sie von der Möglichkeit Gebrauch, die Dauer der Animation festzulegen (= wie lang dauert der Animationseffekt als solcher), sofern die Animationsart dies vorsieht. Wählen Sie durchgehend dasselbe Tempo. Dieses sollte weder zu schnell noch zu langsam sein. Mit 1 Sekunde liegen Sie häufig ganz gut.
  • Schauen Sie sich Ihre gesamte Präsentation abschließend noch einmal in der Bildschirmpräsentationsansicht an, um sicher zu sein, dass alle Animationen so sind, wie Sie es sich vorstellen. Hilfreich ist es auch, sich in die Rolle des Zuhörers zu versetzen: Sind die Animationsschritte sinnvoll? Bauen sie logisch aufeinander auf? Nervt Sie irgendwas an der Animation?

Nicola Pridik
Über die Autorin
Nicola Pridik ist Juristin und Inhaberin des Büros für klare Rechtskommunikation in Berlin. Mit ihren Dienstleistungen unterstützt sie ihre Kundinnen und Kunden dabei, Rechtsinformationen verständlich und anschaulich für ihre jeweiligen Zielgruppen aufzubereiten. Dabei steht die Visualisierung von Recht im Mittelpunkt. kontakt@npridik.de, Twitter: @nicolapridik, Xing: www.xing.com/profile/Nicola_Pridik


 

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