Wie Sie mit lesefreundlichen Schriftsätzen überzeugen

Juristische Texte sind schwer zu lesen. Das ist nichts Neues. Was viele Juristen jedoch nicht wissen: Das liegt nicht nur am Gegenstand, sondern oft auch an schlechter Typografie. Es reicht nämlich keinesfalls, beim Tippen allein auf die gestalterischen Fähigkeiten des Textverarbeitungsprogramms zu vertrauen. Was darüber hinaus zu beachten ist, weiß die Rechtsanwältin und Grafikdesignerin Regina Warnecke, die sich auf die typografische Beratung von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten spezialisiert hat. Sie verrät im Folgenden drei Grundregeln, die nicht nur Juristen vor den schlimmsten typografischen Fehlleistungen bewahren.

Ein Gastbeitrag von Regina Warnecke

Der Anwaltsschriftsatz möchte darstellen, argumentieren, überzeugen. Schlechte Typografie ist da kontraproduktiv, leseunfreundlich und unprofessionell.

Drei Regeln sollten als Mindeststandards eingehalten werden:

  1. Blocksatz immer mit automatischer Silbentrennung
  2. Lesefreundliche Zeilenlänge
  3. Lesefreundlicher Zeilenabstand

1. Blocksatz und Silbentrennung

Was passiert, wenn die automatische Silbentrennung nicht aktiviert wurde, zeigt dieses Beispiel, das ich im Internet gefunden habe.

Beispiel Blocksatz ohne Silbentrennung

Im Blocksatz ohne Silbentrennung erscheinen unschöne Löcher im Text. Die wären im Beispiel noch größer, wenn nicht in der dritten und vierten Zeile manuell Bindestriche gesetzt worden wären. Die Vollmacht ist keine Werbung für diesen Anwalt! Zumal sie weder Anschriftenfeld noch interaktive Textfelder zum bequemen Ausfüllen am Bildschirm enthält.

Ich habe den Text neu gesetzt, die Silbentrennung aktiviert und sowohl Schrift als auch Zeilenabstand verändert. Das Ergebnis:

Beispiel Blocksatz mit Silbentrennung

Leider ist in der Standardeinstellung der Textverarbeitung die Silbentrennung deaktiviert. Das können Sie in der Formatvorlage ändern. Wenn Sie das Register »Layout« anklicken, erscheint die Schaltfläche »Silbentrennung«. Durch Anklicken der Schaltfläche öffnet sich ein Pulldown-Menü, in dem Sie »automatisch« wählen.

Silbentrennung aktivieren in Word

Bitte setzen Sie niemals Bindestriche manuell. Wenn sich der Text verändert und das getrennte Wort auf die nächste Zeile rutscht, bleiben sie bestehen. Optionale Bindestriche können Sie setzen, wenn Sie die Trennung an einer bestimmten Stelle erzwingen wollen (z. B. An-alphabet statt Anal-phabet). Hierfür drücken Sie die Strg-Taste zusammen mit der Bindestrich-Taste. Die aktivierte Silbentrennung nimmt Ihnen viel Arbeit ab. Allerdings empfiehlt es sich, der Trennungskompetenz Ihrer Textverarbeitung nicht blind zu vertrauen und zumindest bei wichtigen Texten die Trennungen zu kontrollieren.

Auch wenn Sie Flattersatz bevorzugen, sollten Sie die Silbentrennung aktivieren. Juristische Texte verwenden (leider) regelmäßig ellenlange Wörter und es entsteht eine unruhige, weit ausflatternde rechte Kante. Mit der Silbentrennung wird die rechte Kante ruhiger. Diese Sonderform des Flattersatzes wird Rauhsatz genannt.

2. Lesefreundliche Zeilenlänge

Viel zu lange Zeilen behindern ebenfalls flüssiges Lesen. Das liegt am Papierformat und paradoxerweise am Einzug des Computers in die Bürowelt. Als noch mit der Schreibmaschine getippt wurde, passten 60 Zeichen auf eine Zeile und bei anderthalbfachem Abstand 30 Zeilen. Allerdings brauchen Schreibmaschinentypen für alle Buchstaben denselben Platz. PC-Textverarbeitungen ermöglichen es, statt der bisherigen Monotype-Schriften nun Proportionalschriften einzusetzen – fast wie im Buchdruck.

Monotype- und Proportional-Schrift im Vergleich

Im Bestreben, das DIN-A4-Format auszufüllen, werden gewöhnlich links und rechts Ränder von jeweils zweieinhalb Zentimetern gelassen; das empfiehlt auch der DIN-Briefbogen. Damit entstehen aber bei einer Schriftgröße von 10 bis 12 pt viel zu lange Zeilen. Mein Vorschlag: Verkürzen Sie die Zeilen auf ein lesefreundliches Maß von höchstens 70 Zeichen, indem Sie den rechten Rand vergrößern. Damit gewinnen Sie außerdem eine Marginalspalte, auf der Notizen untergebracht werden können. Ihre Leser werden es Ihnen danken.

Zu lange Zeilen erschweren das Lesen

Lesefreundliche Zeilenlänge

3. Lesefreundlicher Zeilenabstand

Aus Schreibmaschinenzeiten kennen Sie die Einstellungen des einfachen und des anderthalbfachen Zeilenabstandes. Leider ist bei vielen Schriften der einfache Zeilenabstand zu eng, der anderthalbfache ist wiederum in jedem Falle zu groß. Ein optimaler Zeilenabstand führt das Auge bequem in die nächste Zeile. Die Ober- und Unterlängen dürfen nicht aneinanderstoßen, die Schrift muss atmen können.

Zeilenabstand mit und ohne Durchschuss im Vergleich

Die Wahl des optimalen Zeilenabstandes hängt auch mit der Auswahl der Schrift zusammen. Wenn Sie verschiedene Schriften ausprobieren, können Sie den unterschiedlichen Platzbedarf feststellen. Schriftauswahl, Festlegung der Zeilenlänge sowie des Zeilenabstandes sind wichtige Entscheidungen, bei denen Sie sich am besten professionell beraten lassen.

Über die Wahl der passenden Schrift für Ihre Korrespondenzen gäbe es viel zu sagen. Hier drei Hinweise:

Damit die Schrift gut und schnell vom Auge erfasst werden kann, muss sie ausreichend differenziert sein. Sie muss bildschirmtauglich sein und sie muss das passende Zahlenformat für Ihre Tabellen als Standardeinstellung enthalten.

Setzen Sie Zeichen mit Ihren Schriftsätzen!


Regina-Warnecke

Regina Warnecke ist Rechtsanwältin und Grafikdesignerin AGD in Berlin. Sie hat sich auf die typografische Beratung von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten spezialisiert und erstellt für sie Briefbögen, Geschäftspapiere und interaktive Formulare (www.ra-schriftsatz.de).


 

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