Rechtsvisualisierung in der Lehre: 4 Beispiele

Viel Lehrstoff in wenig Zeit vermitteln: Wie soll das gehen? Das fragen sich Lehrkräfte in der Jurist(inn)enausbildung schon lange. Die Studierenden wiederum leiden unter dem Druck, den gesamten Stoff aus vier Studienjahren im Examen parat haben zu müssen. Eine einfache Lösung für das Problem gibt es sicher nicht. Fest steht jedoch: Didaktische Reduktion ist nötig und mit ihr eine Konzentration auf rechtliche Strukturen und Zusammenhänge. Dabei hilft die Visualisierung von Recht, auch wenn sie für Jurist(inn)en ungewohnt ist. Während Texte Strukturen nur linear beschreiben können, machen Bilder sie sichtbar und prägen sich zudem besser ein. Doch wie sieht das Ganze praktisch aus? Antworten bietet der folgende Beitrag, in dem ich Ihnen anhand von vier Beispielen zeigen möchte, wie Bilder die Rechtslehre und den juristischen Lernprozess unterstützen können.

Sketchnote zur Berlin-Wahl 2016

Seit gut einer Woche hängen sie wieder in Berlins Straßen: die Wahlplakate für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen (BVV). Am 18. September 2016 ist es soweit. Eine hohe Wahlbeteiligung wäre toll, denn Demokratie funktioniert am besten, wenn alle mitmachen, die mitmachen dürfen. Mindestens genauso wichtig wie die Beteiligung ist jedoch die Information vorab: Wieso gibt es drei Stimmzettel? Was macht eigentlich das Abgeordnetenhaus und was die BVV? Und inwiefern beeinflussen meine Stimmen das Wahlergebnis? Die Antworten habe ich zur eigenen Vorbereitung auf die Wahl erneut recherchiert und für Sie und Euch in einer Sketchnote zusammengetragen.

Rechtsvorschriften als Sketchnote: „Unfallflucht“, § 142 StGB

Gesetze sind für Menschen gemacht, die sie beachten sollen. Gleichzeitig sind sie aber häufig so formuliert, dass ihre Adressaten weder Lust haben, sie zu lesen, noch ihren Inhalt verstehen, wenn sie sich denn die Mühe machen. Was also tun? Können Visualisierungen vielleicht helfen, den Zugang zum Gesetz zu erleichtern? Das versuche ich derzeit herauszufinden, indem ich Sketchnotes zu verschiedenen Rechtsvorschriften erstelle. Diesmal habe ich mir § 142 StGB vorgenommen, der das unerlaubte Entfernen vom Unfallort regelt.

Rechtsvorschriften als Sketchnote: Schuldnerverzug, § 286 BGB

Einzelne Paragrafen visualisieren – geht das überhaupt? Und dann noch mit der Hand und nicht am Computer? Das wollte ich wissen und habe mir als Testkandidaten mal den § 286 BGB vorgeknöpft, in dem bekanntlich der Schuldnerverzug geregelt ist. Nah am Wortlaut und Aufbau der Vorschrift wollte ich bleiben, zugleich aber auch Strukturen sichtbar machen und Ungeschriebenes berücksichtigen, das für die Prüfung des Verzugs von Bedeutung ist. Das Ergebnis möchte ich Ihnen in diesem Beitrag vorstellen. Es ist zugleich ein Anwendungsbeispiel für ein paar Bildvokabeln, denen ich mich in den vergangenen Monaten in meinem Blog gewidmet habe.

3 Grundregeln für die Erstellung juristischer Schaubilder

„Schaubilder erstellen bei uns (wenn überhaupt) die Autoren.“ Das höre ich so oder ähnlich immer wieder von juristischen Fachverlagen. Gut daran ist, dass es ein gewisses Vertrauen in die Visualisierungskompetenz von Jurist(inn)en zu geben scheint, obwohl wir uns von Berufs wegen ja eher mit Texten auskennen. Was mir dagegen nicht gefällt ist, dass die veröffentlichten Schaubilder dieses Vertrauen häufig enttäuschen und offensichtlich niemand ihre Qualität überprüft. Oder fehlt am Ende nur der Beurteilungsmaßstab? Beides lässt sich ändern.

Beleben Sie juristische Textwüsten durch Schaubilder

„Kommunikation ist wertvoll“ – so lautet das Motto eines Buchprojektes namens Frida, an dem ich gerade teilnehmen durfte und das mich zu diesem Blogbeitrag veranlasst. Ja, auch Rechtskommunikation ist wertvoll, zumindest wenn sie es schafft, die Menschen zu erreichen. Textwüsten sind dafür eher nicht geeignet. Doch gibt es im Recht überhaupt eine Alternative? Viele Jurist(inn)en bezweifeln das. Ich nicht. Wir können in der Wüste nämlich visuelle Oasen schaffen. Dabei geht es nicht nur darum, den Leser(inne)n eine erfrischende Abwechslung fürs Auge zu bieten. Ihr Nutzen geht weit darüber hinaus.